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22 Digital Finance | November 2018
TREND REPORT
Modernes Bezahlen
„Bar oder mit Karte“ ist der allseits gewohnte Satz an der Kasse. Früher steckte man seine Karte ins Terminal, heute hält man sie einfach hin: Kontakt- los ist das neue „Buzzword“ und auf dem besten Weg das neue Normal zu werden. Warum?
Weil der neue Habitus für viele Menschen einen entscheidenden Mehrwert bietet. Für den einen ist es schlicht einfacher, der nächste schätzt die Schnel- ligkeit und für andere ist es besonders intuitiv. Oder kurz: Es erleichtert den persönlichen Alltag.
Wo früher in Cafés, am Snackautoma- ten oder in vielen anderen Bereichen oft Kramen in Portemonnaies zu sehen war, zücken heute immer mehr Kun- den ihre Bank- oder Sparkassenkarte. Und immer häu ger zahlen sie damit eben kontaktlos, d. h. nur durch Vor- halten ihrer Karte. Bei kleineren Beträ- gen bis maximal 25 Euro ist dabei i. d. R. keine PIN-Eingabe nötig. Allein im Juli war fast jede zehnte girocard-Trans- aktion kontaktlos. Keine andere neue Funktion der girocard wurde von den Kunden je so schnell angenommen.
Seit nun fast zwei Jahren geht die giro- card diesen Weg. Insgesamt wurden von Banken und Sparkassen bisher über 45 Millionen NFC-fähige giro- cards ausgegeben. Bis 2020 werden es nach aktuellem Kenntnisstand über 75 Millionen sein. Die kontaktlos-Funk- tion ist ein entscheidender Faktor, der die Beliebtheit der Karte auf ein neues Niveau hebt. So verzeichnete die giro- card im ersten Halbjahr zuletzt Re- kordzuwächse von rund 14 Prozent bei den Transaktionen und rund 12 Pro- zent bei den Umsätzen im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Und auch bei den Händlern ist die Lösung beliebt, wie eine repräsentative Umfrage im Auftrag der Euro-Kartensysteme zeigt. Im Mai 2018 hatte die GfK 351 Ein- zelhändler, Dienstleister und Kassen- mitarbeiter befragt. Für etwa zwei Drittel (64 Prozent) der Anbieter be- rührungsloser Bezahlmethoden sind NFC-basierte Verfahren einfacher als andere Bezahlmöglichkeiten. Einen großen Zeitgewinn sieht etwa die Hälf-
te der befragten Händler darin, dass kartenausgebende Institute für Zah- lungen bis 25 Euro auf die Abfrage und Prüfung einer PIN verzichten können – und Zeit ist im Handel schließlich auch Geld. Geht es um die Frage nach den Anbietern moderner Zahlverfahren, möchte mit 87 Prozent die überwältigende Mehrheit auch in Zukunft nicht auf die girocard verzich- ten. 63 Prozent sagen sogar, dass ihnen neue Bezahlarten am liebsten sind, wenn sie im girocard-System abgewi- ckelt werden.
Nachfrage bestimmt das Angebot. „Was der Kunde will, biete ich an“ – eine altbekannte Handelsweisheit. Dies gilt für Waren genauso wie für die an der Ladenkasse angebotenen Be- zahlmethoden. Bei girocard scheinen sich Kunden und Händler einig zu
sein: Die girocard ist die von ihren Kunden am meisten nachgefragte elek- tronische Bezahlart, sagen 87 Prozent der Händler. Sie bringen ihre Zustim- mung zu girocard kontaktlos durch die Umrüstungsgeschwindigkeit zum Aus- druck. Innerhalb von eineinhalb Jah- ren (Stand Juli 2018) waren bereits rund zwei Drittel aller girocard-Termi- nals (550 000) kontaktlos-fähig. Dabei kann man keine Branche explizit her- vorheben. Die Bandbreite reicht von Supermärkten über Tankstellen, Dro- gerien, Cafés und Kaufhäuser bis hin zu Verkaufsautomaten.
Neue Wege
Die girocard kontaktlos hat die Bezahl- landschaft verändert: Nun befassen sich auch Branchen mit dem  ema bargeldloses Bezahlen, die als traditio- nelle Bargelddomänen bekannt sind, wie bspw. Bäckereien. Die kontaktlos- Technologie ö net Türen für neue Einsatzmöglichkeiten. So erprobt die Deutsche Kreditwirtschaft aktuell spe- zielle Terminals ohne PIN-Pad und Steckleser, die sich im Kleinbetragsseg- ment bis 25 Euro ohne PIN besonders für den Einsatz an Automaten eignen, da sich diese Terminals häu g leichter einbauen oder nachrüsten lassen. Da- durch wird der Markt für unbediente Akzeptanzstellen für die Zahlung mit girocard deutlich erweitert.
Digitalisierung mit der girocard
Neben dem kontaktlosen Bezahlen mit der klassischen Karte bieten seit Som-
mer einige Institute ihren Kunden auch eine digitale girocard und damit das kontaktlose Bezahlen mit NFC-fä- higen Android-Smartphones.
Was vor wenigen Jahren noch nach Science-Fiction klang, wird damit für eine breite Kundengruppe in Deutsch- land komfortable und sichere Realität: Mobile Payment. Im ständig schneller und digitaler werdenden Alltag ist das der nächste logische Schritt für die gi- rocard. Die Technologie tri t den Zeit- geist, vor allem bei den 16- bis 29-Jäh- rigen. Laut einer repräsentativen Stu- die des Instituts für Demoskopie Allensbach* kann sich mehr als jeder Zweite von ihnen vorstellen, mit dem Smartphone zu bezahlen.
Über das Smartphone lassen sich zu- dem neue Authenti kationsverfahren wie etwa über biometrische Merkmale, also zum Beispiel den Fingerabdruck, realisieren. Sich verändernde technolo- gische Möglichkeiten und wandelnde Bedürfnisse von Verbrauchern und Handel sorgen dafür, dass wir als deut- sche Kreditwirtschaft fortwährend an innovativen und zugleich sicheren Konzepten arbeiten.
www.girocard.eu
*Umfrage im Auftrag der Initiative Deutsche Zah- lungssysteme; 1192 Befragte zwischen 16 und 69 Jahren; Juni 2018
Über den Autor
Albrecht Wallraf ist Referent Retail Banking, Banktechnologie beim Bun- desverband deutscher Banken e. V.


































































































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