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TREND REPORT
November 2018 | Digital Finance 21
I n Tübingen ging 1968 der erste Geldautomat Deutsch- lands in Betrieb, eine Er- folgsgeschichte, die erstmals Elektronik zu einem wichti- gen Teil des Bezahlens machte, bevor 1979 die erste Debit-Funktion die Karte auf ein neues Level hob. Heute, in Zeiten von Online-Handel, digita- lem Wandel und Rund-um-die-Uhr- Mentalität, steht Kartenzahlung vor ganz neuen Herausforderungen. Jetzt machen sich ca. 132 Millionen Mobil- funkanschlüsse daran, das nächste Ka-
pitel beim Bezahlen einzuläuten.
„Die digitale girocard erweitert im ers- ten Schritt für Kunden die Bezahlmög- lichkeiten im Handel und erlaubt ih- nen, die Geldbörse in Zukunft auch mal zu Hause lassen zu können“, geht
Albrecht Wallraf, Referent Retail Ban- king, Banktechnologie beim Bundes- verband deutscher Banken e. V., auf die Möglichkeit des Bezahlens per Smart- phone ein. Zukünftig könnte dies auch mit anderen Geräten, zum Beispiel Smartwatches, möglich sein. „Die digi- tale girocard ist damit ein entscheiden- der Teil der Zukunftsstrategie der Deutschen Kreditwirtschaft für das etablierte und erfolgreiche girocard- System.“
Während in den USA bereits 15%undinChinasogar20%derBe- völkerung mobiles Zahlen nutzen, sind es in Deutschland gerade mal 2 %. Al- lerdings fehlte bisher auch das Ange- bot, was sich seit Mitte des Jahres mas- siv ändert. Während die chinesischen Anbieter WePay und Alipay vor allem die wachsende Anzahl chinesischer Touristen anvisieren, begehren vor al- lem die amerikanischen Tech-Giganten Apple und Google (u.a. in Kooperati- on mit PayPal) mit ihren Bezahllösun- gen auf und fordern ein Stück vom Ku- chen. Die deutsche Finanzwirtschaft setzt auf ihren Vertrauensvorsprung, um sich in diesem Wettbewerb zu be-
Mit datengetriebenen Geschäfts- modellen ringen Banken, FinTechs und Technologiegiganten um die Gunst der Kunden.
von Andreas Fuhrich, a.fuhrich@trendreport.de
haupten. Mit 90 Prozent hat eine über- wältigende Mehrheit der Kunden, laut einer GfK-Umfrage, großes oder sehr großes Vertrauen in die Bezahlverfah- ren der Banken und Sparkassen. „Die- ses Vertrauen basiert auf der hohen Si- cherheit und Zuverlässigkeit unserer Verfahren – sowohl bei der traditionel- len Bankkarte aus Plastik als auch bei den digitalen Lösungen für das Smart- phone“, so Albrecht Wallraf.
Unbestritten ist, das die Technologie und die Globalisierung die Gesell- schaft, den Markt und schlussendlich den Wettbewerb verändern. „Der Di- gitalisierungsdruck macht vor der Bank nicht halt“, weiß auch Jörg Peter- sen, Vorstand der innobis AG. „Im hart umkämpften Wettbewerb um Kunden sind Banken gefordert, durch-
gängig digitale Kundenprozesse und eine 24/7-Verfügbarkeit anzubieten.“ Vor allem aber müssen Banken in der Lage sein, die sich verändernden Kun- denwünsche schnell zu identi zieren und innerhalb kürzester Zeit passge- naue Produkte und Dienstleistungen anbieten.
Daten und Ökosysteme
Grundlage neuer mit KI verbundener Dienstleistungen sind Kundendaten. Fehlen Informationen oder Interpreta- tions-Know-how, können die Institute den Erwartungen nicht gerecht werden. Firmen wie Google, Apple, Facebook und Amazon (GAFA), die jetzt in den Finanzmarkt drängen, haben einen Wettbewerbsvorteil, erlaubt KI doch Big-Data-Analyse des GAFA-Daten- fundus aus sozialen Netzwerken und Konsumverhalten und so eine präzise am Kunden ausgerichtete Entwicklung von Produkten und Dienstleistungen. Wollen hiesige Geldhäuser dagegen- halten, müssen sie sich selbst als Open- Banking-Ökosystem verstehen. Nur durch Zusammenarbeit kann eine wettbewerbsfähige Time to Market


































































































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