Page 19 - TREND REPORT November 2018
P. 19

TREND REPORT
November 2018 | Risikomanagement 19
Kunst und Kultur sind weit mehr als nur ein Aushängeschild für Lobbybereiche in Bankentürmen oder Industriekonzernen. Und auch die schiere Gewinnmaximierung mit Kunst als Spekulationsobjekt steht der Idee und den Werten künstlerischen Tuns fundamental entgegen. Geschieht dies, wird Kultur beliebig, stirbt und es beginnt die Barbarei. Setzt man dage- gen auf Kunst und Kultur als Plattform für Diskurs und Impulse, kann eine Gesellschaft nur gewinnen.
Ein Beispiel lieferte jüngst ein philoso- phischer Brunch zum  ema „Robotic und Künstliche Intelligenz (KI)“. Ein- geladen hatte die Stadt Ost ldern. In den Räumen des Stadthauses fanden sich die Schriftstellerin  ea Dorn so- wie die Medien- und Technikphiloso- phin Janina Loh ein. Beide diskutier- ten über die Digitalisierung mit einem Blick auf Roboter und KI. Kritisch be- leuchteten sie die möglichen Folgen ei- ner zunehmend digitalen Welt für den Menschen, untermalt von Passagen des  eaterstücks „Wonderland Ave.“ von Sybille Berg. In diesem Zukunftsszena- rio herrscht die Maschine über den Menschen, wird dieser über üssig.
Chancen durch Roboter und KI
Ortswechsel. Auch im Rahmen des RiskNET Summit im Oktober in Ho- henkammer bei München wurde viel über das  ema Digitalisierung, über Roboter und KI gesprochen. Eine Er- kenntnis der Risikomanagement-Fach- konferenz: Der Ein uss des digitalen, der zunehmenden Automatisierung und Robotik verspricht große Chan- cen für die Wirtschaft und das private Leben. Gleichzeitig wurde ein gewisses Unbehagen mit Blick auf die zuneh- mende Durchdringung von Maschinen, KI & Co., aller Lebensbereiche deutlich. Ulrich Eberl, Zukunftsforscher und Buchautor, verdeutlichte, dass das Tem- po der Entwicklung enorm sei. Watson, das IBM-System, besiegte bereits im Jahr 2011 die Champions in „Jeopardy“ (US- Fernseh-Quizshow). Und in diesem Jahr schlug KI erstmals Menschen im Ver- ständnis von Texten. Eberl: „Wenn die Aufgabe präzise de niert ist, sei der Computer heute bereits unschlagbar.“ Weitere Einsatzfelder seien unter ande-
KI, Robotik und der Mensch
Die Chancen der KI zu nutzen, geht einher mit einer erhöhten Sensitivität für die Risiken der digitalen Welt.
ness teilnehmen und ihre Kostenstruk- tur durch Nutzung alternativer Servi- ceanbieter reformieren.“ Um dieses umfassende Aufgabengebiet zu meis- tern, können von Busekist zufolge IT- basierte Lösungen mit KI-Elementen oder Robotics helfen. Von Busekist: „Es ist aber auch ganz allgemein zu er- kennen, dass viele Lösungen, die in an- deren Bereichen bereits eingesetzt wer- den, auch im Rechtsbereich immer mehr Fuß fassen. Insgesamt dürfte die- ser Entwicklung aber vorausgehen, dass Rechtsfunktionen für ihre Tätig- keiten ein klares ‚Operating Model‘ entwickeln, auf welches die Digitalstra- tegie dann aufsetzen kann.“
Das Potenzial wird noch zu wenig genutzt
Welches Potenzial in der Digitalisie- rung steckt, umschreibt Enterprise Ire- land. Die nationale Exportagentur sieht unter anderem RegTech als Transforma- tionstreiber. Nach Ansicht von Enter- prise Ireland verlangen die steigenden Anforderungen in der Finanzbranche von Unternehmen, eine digitale Infra- struktur zu scha en und bestehende Ressourcen zu erweitern. Die riesige Datenmenge, über die viele Banken verfügen, ist eine inhärente Stärke und bietet großes Potenzial. Der Einsatz fortschrittlicher Technologien zur Ver- besserung von RegTech-Lösungen und die Nutzung dieser Daten, um Er- kenntnisse zur Steigerung der betrieb- lichen E zienz zu liefern, werden da- her künftig zunehmen. Technologien wie künstliche Intelligenz (KI), ma- schinelles Lernen (ML), Datenanalyse und Blockchain werden RegTech-Lö- sungen in die Lage versetzen, intelli- gentere Entscheidungen zu tre en.
Im Praxisumfeld sieht Philipp Glock, Senior Manager, Leiter des Bereichs Legal Tech und Standortleiter Leipzig bei KPMG Law, den wichtigsten An- wendungsbereich von KI im Auslesen von Dokumenten. „Hier kommen der- zeit fast laufend Anfragen von Kunden bei uns an. Dabei  ng alles mit der klassischen Due Diligence an.“ Und er ergänzt: „Dabei müssen in der Regel eine sehr große Menge an Dokumen- ten nach ähnlichen Kriterien unter- sucht werden. Dafür bedarf es einer Menge Juristen, die sehr viel Zeit auf- wenden, teilweise um ähnliche Klau- seln in all diesen Dokumenten zu su-
von Frank Romeike, f.romeike@trendreport.de
rem die vorausschauende Wartung, bei der Computer Maschinen analysieren, um Unregelmäßigkeiten zu erkennen und zu beheben. Ein Vorteil, gerade um im Vorfeld einzugreifen, bevor eine Maschine ausfällt. Auf die Frage nach der weiteren Reise gab Eberl neben der weiter steigenden Rechenleistung auch nachdenkliche Antworten. Was bedeu- tet die zunehmende Robotik und KI für Arbeitsplätze? Für Eberl werden Routinetätigkeiten in Büros automati- siert. Sei es Texte, Bilder oder Videos zu  nden oder Assistenzfunktionen auszulagern. Betro en seien vor allem Bankberater, Makler, Lagerarbeiter, Bus- und Taxifahrer.
Auch Rechtsabteilungen ste- hen nach Ansicht der Kanzlei KPMG Law Rechtsanwaltsgesellschaft mbH vor enormen Herausforderungen. Konstantin von Busekist, Partner und Leiter Compliance- und Wirtschafts- strafrecht bei KPMG Law, geht davon aus, dass die technologischen Entwick- lungen in Zukunft dabei helfen kön- nen, diese Aufgaben zu meistern: „Es wird erwartet, dass Rechtsabteilungen als Partner des Business Mehrwerte zu diesem bieten, sich strategischer auf- stellen, an den Datenpools des Busi-
Der Autor
Frank Romeike
zählt internatio-
nal zu den renom-
miertesten und
führenden Exper-
ten für Risiko-
und Chancenma-
nagement. Er ist Gründer des Kompetenzzentrums RiskNET – The Risk Management Network sowie Geschä sführer und Eigen- tümer der RiskNET GmbH.


































































































   17   18   19   20   21