Page 17 - TREND REPORT November 2018
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TREND REPORT
November 2018 | Wachstum durch KI 17
schungsprojekts „Deep Eye“ insbeson- dere der Analyse von Naturkatastro- phen mittels Satellitenbilder unter der Zielsetzung „AI for Good“ beschäftigt. Derzeit werden Aufnahmen vor und nach Katastrophen zwar computerge- stützt, jedoch manuell ausgewertet. Benjamin Bischke und Patrick Helber vom DFKI erklären uns dazu: „Eine vollständig automatisierte Verarbei- tung der Satellitenbilddaten gestützt durch Methoden der künstliche Intelli- genz hilft, entsprechende Bilder e ek- tiver und e zienter auszuwerten und somit schneller im Falle einer Naturka- tastrophe zu agieren.“ Neben der e ek- tiven Schadenskalkulation nach dem Eintreten einer Naturkatastrophe ha- ben die zukunftsweisenden Technolo- gien der Ausgründung das Potenzial, Unternehmen bei dem Erreichen ihrer Nachhaltigkeitsziele zu unterstützen.
Ein weiteres Beispiel im Be- reichGreenundSmartBuildingstellte uns Wolfgang Renn, Bereichsleiter Im- mobilien der UDI Beratungsgesell- schaft mbH vor. Auf 12 000 Quadrat- metern entsteht im Hansapark in Nürnberg gerade ein grünes und smar- tes Bauprojekt. Bei dem Bauvorhaben setzt man voll auf das  ema Nachhal- tigkeit und orientiert sich streng an den Standards für das Gold-Gütesiegel der DGNB (Deutsche Gesellschaft für Nachhaltiges Bauen). Besonderer Wert liegt daher auf einer hohen Ressour- censchonung in den Bereichen Material, Wasser und Energie. Um Letztere so- wohl möglichst e zient zu gewinnen als auch den Verbrauch zu reduzieren, kommen neue Technologien der Ge- bäudeautomation zum Einsatz. „Das ist das Scharnier zum Erfolg und zur Realisierung niedriger Energiekosten“, drückt es Renn aus, der zu diesem Zweck die Gebäude mit einer Reihe verschiedenster Sensoren ausstatten lässt. „Wir sehen vor, dass die hierfür bereits erzeugte Wärme bzw. Energie zwischen den einzelnen Gebäuden, je nach Be- darf, verschoben werden kann“, erläu- tert Renn den Grundgedanken, zu des- sen Verwirklichung auch KI zum Ein- satz kommen soll. Schlaue Algorithmen können auch zusätzlichen Input, z.B. Wetterdaten, zur Steuerung des Ener- giekonzepts nutzen.
Und wo befinden wir uns unge- fähr im Entwicklungsprozess von KI? Frank  elen verrät uns abschließend
dazu: „Noch sind wir in einer recht frühen Phase der KI. Denken wir an digitale Assistenten wie Siri, Google Now oder Alexa, deren Fähigkeiten doch noch sehr begrenzt sind. Wir ha- ben es bei KI eben noch nicht mit ech- ter Intelligenz zu tun, sondern mit Pro- grammen, die auf Grundlage vorgege- bener Algorithmen so etwas wie menschliche Intelligenz simulieren und deren Stärke darin besteht, große Datenmengen schnell verarbeiten zu können, und darin, z.B. Zusammen- hänge zu erkennen. Die steigende Leis- tungsfähigkeit der Computersysteme ermöglicht nun aber schon neuronale Netze, die selber lernen und sich und ihre Methoden optimieren können – die KI lernt sozusagen gerade laufen.“
Unternehmen müssen erken- nen, dass KI ihnen in vielen Berei- chen ihrer Prozesse helfen kann, in Zu- kunft vielleicht sogar für ihren Fortbe- stand entscheidend sein kann. Sie sollten sich daher mit der Materie früh- zeitig befassen und z. B. den Kontakt und Austausch mit Start-ups aus dem KI-Bereich suchen.
Übrigens bietet just die Univer- sität Helsinki einen kostenfreien On- linekurs zum  ema künstliche Intelli- genz an. Der Lehrgang soll Unterneh- men und Interessierten die Grundlagen künstlicher Intelligenz, maschinellen Lernens und neuraler Netzwerke nä- herbringen.
Kreativität & Co.
Die vorab beschriebenen Fallbeispiele zeigen deutlich, welches Wachstums- potenzial für unseren Standort mit den neuen Technologien verbunden ist. Maschinen werden zudem immer krea- tiver, wie das der Digitalkultur-Experte Holger Volland in seinem Buch „Die kreative Macht der Maschinen“ erläu- tert. „Wir bringen ihnen bei, autono- me Entscheidungen zu tre en, und machen sie damit zu handelnden Sub- jekten. Und wir lassen sie in immer weitere Felder unserer menschlichen Kultur wie Sprache, Kunst, Beziehun- gen oder Sexualität vordringen“, be- schreibt Volland.
#KI
#Automatisierung #künstlicheIntelligenz
So hilft KI dem Handel
Omnichannel, eine einzigartige Customer Experience oder eine um- fassende Digitalstrategie für Mar- keting und Vertrieb: Wollen Händ- ler auch in Zukunft erfolgreich agie- ren, müssen sie alle modernen technischen Möglichkeiten nutzen – auch um sich vom Wettbewerb abzuheben.
Dazu gehört unter anderem der Ein- satz von künstlicher Intelligenz (KI). Die international tätige Unterneh- mensberatung KPS unterstützt Händ- ler bei der Implementierung von KI- Prozessen und zeigt, wie sie sie opti- mal einsetzen können. Supermärkte nutzen etwa KI, um die Warenverfüg- barkeit zu erhöhen oder die Verkaufs- vorhersage zu verbessern: Ist gutes Wetter angekündigt, ordert das Sys- tem automatisch ein größeres Ange- botanFleischundGrillkohle,dadie Nachfrage steigen wird.
Der intelligente Spiegel als Mode- berater
KI kann nicht nur Unternehmen bei der Planung unterstützen. Sie erö net auch Verbrauchern neue Möglichkei- ten des Einkaufens: Ist im Laden ein Kleidungsstück nicht verfügbar, könnte zukünftig der „intelligente Spiegel“ zum Einsatz kommen. Mit ihm können Kunden das Produkt vir- tuell anprobieren oder es nach ihren Vorstellungen individualisieren. Mit- tels KI und Bilderkennung  ndet die Zuordnung der Größe und Statur statt, sodass die Kleidung realitäts- nah mit der Passart und Figur des Kunden abgestimmt ist. Der Spiegel fungiert dabei zudem als Stil- und Modeberater: Neben Vorschlägen zu passenden Schnitten, Mustern oder Farben kann seine Beratung darüber
hinaus den Inhalt des Kleider- schranks des Kunden, das Wetter und den Anlass für das gesuchte Klei- dungsstück berücksichtigen.
Sprechende Assistenten auf dem Vormarsch
Neben dem intelligenten Verkaufs- berater wird auch Sprachsteuerung die Art und Weise, wie eingekauft wird, verändern. In einer einsatzfähi- gen Demo zeigt KPS, wie einfach eine sprachgesteuerte Bestellung über Alexa sein kann. Über vorgege- bene Sprachmuster kann der Kunde Produkte suchen, seine Auswahl in den Warenkorb legen und die Bestel- lung aufgeben. Bis die sprachgesteu- erte Bestellung vollumfänglich Reali- tät wird, sind allerdings noch einige Hürden zu nehmen: Das System muss etwa Stimmen verschiedenen Benutzerkonten zuordnen oder unterschiedlichste Ausdrucksweisen verstehen können.
Auch Händler selbst nutzen verstärkt Sprachassistenten, um Prozesse zu vereinfachen, zum Beispiel die Abfra- ge von Reports: Der von KPS entwi- ckelte Salesbot hilft dabei, die Fra- gen der Mitarbeiter sprachgestützt oder textbasiert zu beantworten, und unterstützt sie bei der Suche nach dem richtigen Report. So kann z. B. ein CFO den Salesbot einfach bit- ten: „Suche mir den Umsatzbericht für das Produkt X in der Region Y für September 2018 heraus.“ Das System  ndet den richtigen Bericht und gibt per Sprache oder Text die Zahlen aus. Mit KI können Händler innovative Services anbieten und selbst zum„In- telligent Enterprise“ werden.
www.kps.com
Neue Technologien müssen im Handel kombiniert werden, um Verbraucher gezielt anzusprechen.
Bildquelle / Lizenz: GettyImages Westend61


































































































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