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TREND REPORT
November 2018 | Wachstum durch KI 11
wirklich aus? Sicher ist, dass Deutsch- land mit seinen Investitionen in KI hin- ter China und den USA zurückbleibt. Allein der Internetkonzern Alibaba hat just bekannt gegeben, 15 Milliarden Dollar in Forschung und Entwicklung neuer Technologien in den Sparten künstliche Intelligenz und Quanten- computer zu investieren. Nach aktuel- len Zahlen von Roland Berger haben die USA rund 1 393 Start-ups im Kon- text neuer KI-Technologien am Start. China liegt bei 383 Start-ups und in Deutschland sind es 106 junge Unter- nehmen, die sich um neue KI-Ge- schäftsmodelle verdient machen.
Dass mehr getan werden muss, betonte auch Frank  elen von Frei- geist Capital im Hintergrundgespräch mit der TREND-REPORT-Redaktion: „Wir haben die Chance, endlich wie- der bei einer Schlüsseltechnologie füh- rend zu werden. KI ist wie z.B. das Smartphone eine Grundlagen-Techno- logie, die unfassbar viele neue Mög- lichkeiten bringt. In diesem Fall sogar deutlich mehr als das Smartphone, es ist die bisher größte und wichtigste Er-
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Informationsflüsse
KI und Automatisierung im Kontext von „Product Information Manage- ment“: Wie man aus Produktcontent aus vielen Quellen einen kompletten, sinnvoll integrierten Master-Datensatz erstellt und Datenflüsse vom Lieferan- ten bis zum Kunden nahezu komplett automatisiert, lesen Sie im Fachbeitrag auf http://trendreport.de/PIM-im- Information-Supply-Chain/
Learning AI
Der kostenfreie Onlinekurs „Ele- ments of AI“ der Universität Helsinki erläutert das Thema künstliche Intelli- genz. In sechs Abschnitten werden grundlegende Kenntnisse von Definiti- onen über Anwendungen bis zu Aus- wirkungen von KI vermittelt. http:// trendreport.de/learning-ai
Künstliche Intelligenz: eine Annäherung
Seit Jahrzehnten, spätestens seit Alan Touring seinen berühmten Touring- Test in den 1950ern ausgearbeitet hat, macht der Begriff der künstlichen Intel- ligenz die Runde. Eine eindeutige Definition existiert jedoch noch nicht. Will man sich also dem Begriff nähern, hil  eine praxisnahe Aufarbeitung über die Funktionen, die künstliche Intelligenz erfüllen soll. Hier sind mehrere Stufen zu erkennen. Die wesentlichen Funktionalitäten von KI-Systemen beschreibt das Center for Data Innovation als Lernen, Verstehen, Schlussfolgern/Urteilen und in der Interaktion wie folgt:
• Assisted Intelligence bezeichnet das untere Ende des KI-Spektrums und wird zur Automatisierung von einfachen Aufgaben („Robotic Process Auto- mation“) eingesetzt. Die Assisted Intelligence fällt unter den Bereich der „schwachen“ KI.
• AugmentedIntelligencekönnteals„unterstützendeKI“bezeichnetwerden. Sie hil  Menschen dabei, mittels Daten situationssensitive Entscheidun- gen zu treffen. Diese Stufe der künstlichen Intelligenz ist in der Lage, aus Ein- gaben (Inputs) von Personen zu lernen. Die von Menschen mit Unterstützung von KI getroffenen Entscheidungen werden datenbasierter und präziser.
• Autonomous Intelligence bezeichnet die am weitesten fortgeschrittene Form der KI. Hier hat der Mensch nur noch eine überwachende Funktion. Das autonome Fahrzeug kann als Beispiel dienen.
Quelle: https://www.technologyreview.com/s/601732/ai-drives-better-business-decisions/
Das trügerische Gefühl der Sicherheit
Im Gespräch mit der TREND-REPORT- Redaktion erläutert Kai Grunwitz, Se- nior Vice President EMEA bei NTT Se- curity, das Spannungsfeld von Cyber- Security und Arti cial Intelligence (AI).
Unternehmen aus dem verarbeiten- den Gewerbe, aber auch vielfach der Manufacturing-Bereich, wie der Ma- schinen- und Anlagenbau, liegen im Fadenkreuz von Cyber-Attacken – luk- rative Ziele der Industriespionage. „Mehr als die Hälfte der Angri e haben ihren Ursprung in China“, referiert Grunwitz folglich eine weitere Einsicht des aktuellen „Global Threat Intelli- gence Report“. „Trotz der steigenden Gefahr für ihre kritischen Daten‚“ wun- dert er sich, „verringern Unternehmen den Anteil ihrer IT-Sicherheitsbudgets .“
Der AI-Hype erzeugt „das Gefühl einer Sicherheit, die nicht unbedingt gege- ben ist“, warnt der Experte. AI ist zwar aus der Cyber-Security nicht mehr wegzudenken, doch AI selbst birgt ein Risiko: So hängt die Qualität der Algo-
rithmen von der Art und Weise ab, wie das System trainiert wird, und von den damit verbundenen Datensätzen. „Un- genügende Datenqualität bedeutet zwangsläu g eine schwache AI, niedri- gere Erkennungsquoten und damit eine Scheinsicherheit“, betont Grunewitz. Unternehmen sollten deswegen „er- probte und sich gegenseitig ergänzen- de Algorithmen“ einsetzen. Außerdem könnten Cyber-Kriminelle Zugri  auf relevante Security-Lösungen erhalten und statt die Algorithmen zu manipu-
lieren, lediglich die Informationen der Erkennungsmuster zur Verschleierung ihrer Angri e nutzen. Oder sie nutzen AI gezielt zur Vorbereitung. „Sie könn- ten etwa massive Datenvolumina aus sozialen Netzen und anderen Quellen auswerten, um Phishing-Angri e zu starten – mit einer nie da gewesenen Möglichkeit zu Massenangri en.“
Angri smöglichkeiten existieren auch bei Smart-City- und IoT-Konzepten. Hier weisen die Geräte eine hohe Hetero-
genität auf, basieren auf Ethernet- und alten Busprotokollen unterschiedlichs- ter Anbieter und besitzen oft eine relativ lange Lebensdauer. „Dies macht selbst Sicherheitsupdates zu einer großen He- rausforderung“, so Grunwitz. „Viele Ge- räte und Protokolle sind nämlich aus- schließlich im Hinblick auf Funktionali- tät und nicht auf Sicherheit entwickelt.“ Er emp ehlt die Durchführung von Security-Risk-Assessments anhand von Verordnungen und Richtlinien wie ISO / IEC 27005, ISA / IEC 62443 oder DSGVO und die Entwicklung und An- wendung von Sicherheitsrichtlinien. Weitere Maßnahmen betre en die Implementierung einer Netzwerkseg- mentierung für Hauptkomponenten, die Sicherung der Kommunikation zwischen IoT- und Operational- Technology(OT)-Geräten und die Si- cherung und Überwachung der War- tungszugriffe. „Auch eine Traffic- Anomalie-Erkennung für IoT- und OT-Geräte sollte genutzt werden.“
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Zwar ist AI aus der Cyber-Security nicht mehr wegzudenken,
„doch AI selbst birgt auch ein Risiko“, wie Kai Grunwitz zu berichten weiß.
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