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10 Wachstum durch KI | November 2018 TREND REPORT Expertenpanel
Die TREND-REPORT-Redaktion sprach mit den Vordenkern und Gründern des Weizenbaum-Instituts über ihre Forschungsgruppen und dringliche Fragen im Kontext fortschreitender künstlicher Intelligenz.
Prof. Dr. Jeanette Hofmann, Principal Investigator am Weizenbaum-Institut
Frau Prof. Hofmann, wie viel KI braucht unsere Gesellscha  in Zukun ?
KI-gestützte Systeme werden zum Sortieren großer Datenmengen eingesetzt. Besonders sinnvoll ist das, wenn es um Fragen geht, die mit herkömmli- chen Methoden gar nicht oder nur unter größtem Aufwand bearbeitet werden können. Man denke etwa an die Ermittlung statistisch relevanter KorrelationenindermedizinischenForschung.Schwieriger,weilzuRecht umstritten, ist der Einsatz von KI im Bereich der Automatisierung fachli- cher Expertise, etwa in der Rechtsprechung, der Personalauswahl oder der Risikoabwägung im Bereich der Kinder- und Jugendhilfe.
Müssen wir den Einsatz von Algorithmen gegenüber Nutzern in Zukun  noch transparenter gestalten und wenn ja, wie?
Die Forderung nach Offenlegung von Algorithmen klingt einleuchtend, ist in der Pra- xis aber nicht einfach zu realisieren. Die neuere sozialwissenscha liche Forschung
gibt zu bedenken, dass Algorithmen ihre erwünschten wie auch uner- wünschten Wirkungen erst im Zusammenhang mit den Datensätzen erzielen, auf deren Grundlage sie operieren. Transparenzgebote müssten also auch die sich beständig wandelnden Datensätze einbeziehen und auf mögliche Verzerrungen überprüfen. Wider- stände dagegen sind nicht nur vom Datenschutz zu erwarten. Hier sind kreative Lösungen gefragt. Weiterlesen unter http://
trendreport.de/weizenbaum
Prof. Dr. Dr. Schildhauer, Principal
Investigator am Weizenbaum-Institut
Herr Prof. Schildhauer, inwieweit verändert die KI/AI datenbasier-
te Geschä smodelle?
Es entstehen durch weiterentwickelte Algorithmen Chancen, bspw. durch
maschinelles Lernen, Systeme zu entwickeln, die basierend auf großen Datenkontingenten helfen, Prozesse, Strukturen und Arbeitsabläufe in Un- ternehmen zu optimieren und zu steuern. Mit dem Hype-Begriff „Künstliche In- telligenz“ gehe ich in diesem Kontext noch sehr vorsichtig um. Aber sichtbar ist, dass neben maschinellem Lernen weitere Technologien wie Cloud Computing, IoT oder Ad- ditive Manufacturing ein wichtiger technischer Enabler für datenbasierte Geschä smo-
delle sind. So entwickeln sich in Deutschland in diesem Zusammenhang neue technologiebasierte Start-ups, z. B. in den Sektoren Handel, Logis- tik, Gesundheit oder Mobilität. Start-ups, aber auch etablierte Unterneh- men entwickeln auf Basis großer Datensammlungen und entspre- chender Algorithmen neue Geschä smodelle, die beispielsweise Vorhersagen auf kün ige Bedarfe oder Nutzerverhalten analysieren und vorhersagen – Predictive Analytics. Insbesondere vollzieht sich der Wan- del bei etablierten Unternehmen dort, wo zumeist auf der Ebene unter- nehmensinterner Prozessoptimierungen Potenziale aus der Analyse gro- ßer Datenmengen geschöp  werden. Dies kann im Versicherungsbereich (bspw. Vorhersage über Schadenrisiken aus Daten der Vergangenheit und aktuellen Wetter- und Verhaltensdaten) ebenso wie in Produktionsunternehmen („Predictive Maintenance“) zur
Anwendung kommen. Weiterlesen unter http://trendreport.de/weizenbaum
Prof. Dr.-Ing. Ina Schieferdecker, Gründungs- direktorin des Weizenbaum-Instituts
Frau Prof. Schieferdecker, können wir Maschinen Moral beibringen?
Maschinen werden vom Menschen programmiert, auch die sich „selbst programmierenden“ Maschinen sind auf einer Meta-Ebene vom Menschen programmiert. Das ist der Zugang, über den wir die Qualitätsanforderungen und Gütekriterien, inklusive der Operationalisierung von
Ethik und Moral gewährleisten können. Dabei kommt es neben Ansätzen wie beispielsweise Safety by Design oder eben Fairness by Design auf die Überprüfung an,
dass die vereinbarten Kriterien algorithmisch umgesetzt, so waretechnisch ange- messen implementiert, datenmäßig wohl repräsentiert und betriebstechnisch zuver- lässig betrieben werden.
Wird Ihrer Meinung nach die KI die Zweiklassengesellscha  weltweit fördern? Digitalisierung kann als mächtiges Instrumentarium gesellscha liche Effekte verstär- ken oder abschwächen, sowohl im Positiven als auch im Negativen. Hierbei kommt es auf die bewusste, verantwortungsvolle und aktive Technikgestaltung und ihre Einbet-
tung in die Gesellscha  an. Hier stehen viele Herausforderungen an, die sehr gezielt zu lösen sind. Und wenn es uns dabei gelingt, eine öffentliche IT zu gestalten, die über offene Standards, Formate und Schnittstellen eine Teilhabe aller gewährleistet und gleichzeitig die Digital Commons befördert und absichert, kommen wir hoffentlich
einer balancierten Weiterentwicklung unserer Gesellscha en näher. Weiterlesen un- ter http://trendreport.de/weizenbaum
PD Dr. Martin Krzywdzinski, Principal
Investigator am Weizenbaum-Institut
Herr Dr. Krzywdzinski, welchen Forschungsbereich betreuen Sie
und welche Fragen beschä igen Sie?
Ich befasse mich damit, wie sich die Arbeitswelt durch den technologi-
schen Wandel – und das ist heute insbesondere die Digitalisierung – so-
wie die Globalisierung von Unternehmen und Wertschöpfungsketten ver-
ändert. Dabei interessieren mich vor allem Umbrüche in industriellen Kernsektoren, wie der Automobilbranche, dem Maschinenbau oder der chemischen Industrie. Es geht um die Entwicklung der Beschä igung, Qualifikationsanforderungen, Arbeitsinhalte und Arbeitsorganisation, Personalmanagement sowie Mitbestimmung.
Welche Rolle spielen das IoT und das IIoT im Kontext Ihrer Forschungs- aufgaben?
Ohne das IIoT sind die heutigen Entwicklungen im Bereich der cyber- physischen Systeme, der modularen Fertigung, aber auch der neuen Systeme zur Steuerung und Optimierung von Prozessen in der Smart Factory nicht denkbar. Das IIoT ermöglicht neue Schritte in Richtung transparenter und autonomer Prozesse. Ich selbst befasse mich damit, wie der Einsatz dieser Systeme die Arbeitsbedingungen und Qualifikationsanforderungen an die Arbeitskrä e verändert. Es geht um Chancen der Aufwertung von Arbeit. Wir untersuchen beispiels- weise, wie sich Aufgaben und Anforderungen im Bereich industrieller Facharbeit ver-
ändern. Weiterlesen unter http://trendreport.de/weizenbaum
Bildquelle / Lizenz: Jan Kopankiewicz Bildquelle / Lizenz: Jan Kopankiewicz Bildquelle / Lizenz: Jan Kopankiewicz Bildquelle / Lizenz: David Ausserhofer


































































































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