Page 24 - TREND REPORT April 2018
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26 Digital Finance | April 2018
TREND REPORT
Segmente, das nicht durch das expansi- ve Anleihekaufprogramm der EZB ver- zerrt ist. Über die kapilendo-Platt- form investieren die Anleger direkt in geprüfte deutsche Unternehmen. In Form von Zinsen haben die Anleger so Teil an deren Wertschöpfung und Er- folg. „Im Detail heißt das“, erläutert Grätz, „dass die Crowd ihr Kapital für einen festen Zeitraum und gegen einen festen Zins zur Verfügung stellt. Die Laufzeiten liegen zwischen ein und fünf Jahre – wobei bereits quartalswei- se während der Laufzeit oder am Lauf- zeitende bedient wird.“
PSD2
Zusätzlichen Rückenwind erhalten FinTechs durch die sogenannte PSD2- Richtlinie, die nur zehn Tage nach Mi- FID II am 13. Januar dieses Jahres in Kraft trat. Sie soll für Verbraucher das Banking bequemer, billiger und siche- rer machen und vor allem den Wettbe- werb zwischen Banken und Finanz- dienstleistern stärken. Konkret heißt
das, dass künftig Zahlungsdienstleister und Kontoinformationsdienste auf das Bankkonto zugreifen können, sofern diesen die Erlaubnis des Kontoinha- bers erteilt wurde. Ein ganzes Ökosys- tem an FinTech-Zusatzdiensten wird dadurch ermöglicht. Vergleichsportale können beispielsweise gezielt darauf hinweisen, für wen sich der Wechsel ei- ner Versicherung, des Strom- oder Internetanbieters lohnt. Kreditanbieter informieren über die Zweckmäßigkeit einer Umschuldung u.v.m. Das Prob- lem des Vertrauens, welches der omi- nöse Satoshi Nakamoto aufwarf, wird durch die neue Richtlinie allerdings noch einmal ausgedehnt.
Vertrauen als Kernkompetenz
Eine andere Perspektive in Bezug auf den Vertrauensbegri  hat Gerd Müller von der Fiducia & GAD IT AG. Er sieht darin nicht das größte Problem, sondern vielmehr die größte Chance für Banken. Das größte Versprechen der
Blockchain-Technologie sei die digitale Echtheit durch ihre hohe Transparenz. Oftmals werden diese Attribute fälsch- licherweise mit Vertrauen gleichgesetzt, doch „Vertrauen wird nicht alleine durch Zerti zierung begründet“, so Müller. „Es benötigt auch ein hohes Maß an per- sönlicher Interaktion.“ Das Schließen dieser Lücke zwischen der digitalen und der echten Welt sei die Aufgabe der Banken. Im Zuge der neuen technolo- gischen Möglichkeiten hieße das für Banken „raus aus der Komfortzone“ und innovative „digitale Dienstleistun- gen in einem vertrauenswürdigen, si- cheren und transparenten Ökosystem zur Verfügung zu stellen“. Dabei kann ausgerechnet die Blockchain, jene Tech- nologie, die mit der Anti-Bank-Wäh- rung Bitcoin ihren Siegeszug begann, „der Impuls sein, die Chancen dieser Veränderung zu ergreifen.“
#Kryptowährung #Blockchain #FinTech
Krypto-Wallet
Als (Krypto-)Wallet bezeich- net man eine Möglichkeit zur Speicherung und Verwaltung einer Kryptowährung. Dabei
wird zwischen so warebasierten Wallets und Hard Wallets unterschie- den. Während erstgenannte einfach auf dem Desktop oder Mobilgerät installiert werden, ähneln letztere eher einem USB-Stick. Der Vorteil der Hardware-Wallets liegt darin, dass der Schlüssel, mit dem der Benutzer nachweist, dass ihm eine gewisse Menge der entsprechenden Währung gehört, offline gespeichert werden kann und damit unzugänglich für Ha- ckerangriffe wird.
Die Redaktion hat einen Überblick über die wichtigsten Begriffe rund um Kryptowährungen zusammengestellt: www.trendreport.de/krypto- glossar
Crowdlending ist erwachsen geworden
2016 unterhielten wir uns mit Christo- pher Grätz, Co-Founder und CEO der kapilendo AG, über das „aufstrebende Geschäftsmodell“ Crowdlending. Jetzt wurde es Zeit nachzufragen.
Herr Grätz, wie hat sich Ihr Geschäft in den letzten Jahren verändert und was erwarten Sie von den nächsten zwei bis drei Jahren?
Was wir de nitiv feststellen, ist, dass Crowdlending sich in Deutschland mitt- lerweile etabliert hat. Dabei hat auch die Qualität der Unternehmen deutlich zugenommen, wodurch auch unsere Ablehnungsquote tendenziell langfris- tig zurückgehen wird. Man wird jetzt nicht mehr als der „weiße Ritter“ am Markt betrachtet, der Unternehmern Kapital zur Verfügung stellt, die sonst keine Mittel haben. Crowdlending gilt als ernsthafte Finanzierungsalternative, die vor allem der klassische Mittel- stand annimmt. Die Anfragen werden immer professioneller, kommen im- mer häu ger von größeren Unterneh- men und auch die Darlehensgrößen haben zugenommen. Wir positionie- ren uns jetzt in einem Marktumfeld
mit Krediten zwischen 250000 Euro und 2,5 Millionen. Von den mittlerwei- le über 20 Millionen Euro haben wir fast die Hälfte in den letzten sechs Mo- naten über unsere Plattform  nanziert. Unsere monatlichen Neuvertrags- volumina umfassen mittlerweile etwa fünf Millionen Euro, je nach Saison, sodass wir für dieses Jahr erwarten, Fi- nanzierungen in Höhe von 60 Millio- nen Euro zu verwirklichen. Mit der er- höhten Finanzierungsgeschwindigkeit und einer in der Praxis nachgewiesenen Zuverlässigkeit haben die führenden Crowdlending-Plattformen in den ver- gangenen Monaten ein letztes, ele- mentares Handicap gegenüber den traditionellen Kreditanbietern elimi- niert.
Welche Finanzierungsformen mit welchem Finanzierungszweck bieten Sie schnell wachsenden Unterneh- men aus dem Mittelstand an?
Als Full-Service-Online-Plattform im Be- reich Unternehmens nanzierung er- halten Wachstumsunternehmen und kleine und mittelständische Unterneh- men bei kapilendo Zugang zu Nach-
rangkapital und klassischen Krediten durch private Anleger. Der Finanzie- rungszweck kann vielfältig sein und reicht von Betriebsmitteln über Wachs- tums- und Investitions nanzierung bis hin zu Produktivitätssteigerung.
Welche Möglichkeiten bieten Sie spe- ziell für Family-O ces und Stiftungen? Der Markt für Mittelstands nanzierung wird zunehmend für Family-O ces und Stiftungen interessant. Erste Ver- briefungen der auf den Plattformen vermittelten Kredite sowie die Au age von Spezialfonds (AIF) ermöglichen
bereits den Zugang für Investoren, die eine depotfähige Anlage benötigen. War die Mittelstands nanzierung in Deutschland vor nicht allzu langer Zeit noch ein reiner Bankenmarkt, wird die- ser mittlerweile zunehmend von Fami- ly-O ces und Pensionskassen besetzt, die auf der Suche nach neuen Quellen für laufende Zinseinnahmen sind. Für diese bietet sich im Direct Lending eine attraktive laufende Rendite von über fünf Prozent p.a. ohne Zins- und bei sehr begrenztem Kapitalverlustrisiko.
www.kapilendo.de
„Vor allem der klassische Mittelstand nimmt Crowdlending als ernsthaf- te Finanzierungsalternative an“, weiß Christopher Grätz.









































































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