Page 21 - TREND REPORT April 2018
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TREND REPORT
Digital Finance | April 2018 23
Kryptowährungen eine gewisse Ano- nymität. „Zwar ist in der Bitcoin- Blockchain jede jemals getätigte Trans- aktion nachverfolgbar, aber wenn man nicht weiß, wer hinter den verwende- ten Bitcoin-Adressen steckt, bleiben die Teilnehmer im Dunkeln. In diesem Sinne ist der Bitcoin pseudonym, wäh- rend andere Kryptos sogar völlig ano- nyme Transfers ermöglichen.“
Eine dieser völlig anonymen Währungen ist der CloakCoin. Kritik, dass Kryptowährungen vor allem der Terror nanzierung und der Geldwä- sche dienen, weist Harry Sidiropoulos entschieden zurück. Rückendeckung erhält er dabei ausgerechnet von einer gemeinsamen Studie des britischen In- nen- und des britischen Finanzministe- riums. Sie untersuchten das Geldwä- scherisiko verschiedener Zahlungsmit- tel. Kryptowährungen landen dabei, nicht zuletzt wegen ihrer Volatilität, auf dem letzten Platz der Rangliste, die vom Bargeld angeführt wird. Neben der Anonymität liegt eine weitere Beson- derheit des CloakCoins in der Techno-
Marktkapitalisierung Bitcoin
US-Dollar
25 000 17 500 15 000 12 500 10 000 7 500 5 000 2 500
2009 2010 2011 2012 2013 2014 2015 2016 2017 2018
Lange wurde der Bitcoin von der breiten Öffentlichkeit gar nicht wahrge- nommen - dann kam 2017.
Hintergrund
Pizzen für Bitcoins
Das erste dokumentierte Mal, dass Bitcoins tatsächlich als Zahlungsmittel für reale Güter eingesetzt wurden, ge- schah am 22. Mai 2010. Der Program- mierer Laszlo Hanyecz wollte beweisen, dass das Kryptogeld tatsächlich als Zahlungsmittel funktioniert. Am 17. Mai bot er in einem Forum 10 000 Bitcoin für zwei Pizzas. Fünf Tage später ging je- mand auf das Angebot ein und begann damit ein bankenunabhängiges Zah- lungsmittel zu bestätigen. Weitere An- ekdoten zum Nachlesen: www.trend- report.de/krypto-stories
logie hinter seiner Generierung, dem Proof-of-Stake-Verfahren.
Proof of Work vs. Proof of Stake
Bitcoins und viele andere „Altcoins“ (alternative Währungen) werden durch
die Lösung hochkomplexer Rechen- aufgaben erstellt. Mittlerweile werden dafür spezielle Computer mit teuren, extrem schnellen Prozessoren benötigt, welche eigens für diesen Zweck instal- liert werden. Als Anreiz, die Anschaf- fungs- und Energiekosten auf sich zu nehmen, Coins zu erstellen und da-
Blockchain und Banken: Raus aus der Komfortzone
Gastbeitrag von Gerd Müller, Lei- ter Architektur und Innovation bei der Fiducia & GAD IT AG
Ober ächlich betrachtet stellt die Blockchain für Finanzinstitute eine Bedrohung dar. Denn das Wesen der Technologie besteht vermeintlich darin, Intermediäre und Dritte bei Transaktionen jeglicher Art obsolet zu machen. Diese Betrachtungsweise greift jedoch zu kurz.
Und vergibt die Chance auf neue Po- tenziale. Denn die Blockchain-Techno- logie bietet Finanzdienstleistern viel- fältige Möglichkeiten, sich neu zu er-  nden. Sie können ihre Position in der Wertschöpfungskette verlagern und in eine neue Rolle schlüpfen: nämlich als vertrauenswürdiger Service-Provi- der für die Vernetzung der Akteure. Damit wandelt sich die Banken-IT zum Wegbereiter in die Welt der Block- chain-Netzwerke: zur Digitalisierung und e zienteren Gestaltung von Fi- nanzprozessen sowie zur branchen- übergreifenden Vernetzung mit den
Beteiligten einer Wertschöpfungsket- te, wie Herstellern, Lieferanten, Händ- lern – und den Banken selbst.
Das größte Versprechen der Block- chain-Technologie ist die digitale Echt- heit durch ihre hohe Transparenz. Oft- mals werden diese Attribute fälschli- cherweise mit Vertrauen gleichgesetzt. Das ist jedoch nicht richtig. Denn Ver- trauen wird nicht alleine durch Zerti - kate und Technologien begründet. Es benötigt auch ein hohes Maß an per- sönlicher Interaktion. Diese Lücke zwi- schen der digitalen und der echten Welt zu schließen, bleibt auch in ei- nem Blockchain-Ökosystem Aufgabe der Banken.
Die Technologie ihrerseits ebnet den Weg zur Entwicklung von – in dieser immer stärker digitalisierten und en- ger vernetzten Welt dringend benötig- ten – neuartigen Geschäftsmodellen und Produkten. Ziel muss sein, Ant- worten auf die folgende zentrale Fra- ge zu  nden: Wie kann ein Finanzinsti- tut seine Kunden mit der Technologie
Wie ein Finanzinstitut seine Kun- den im Blockchain-Kontext unter- stützen und relevant bleiben kann, beantwortet Gerd Müller.
bei deren Bedürfnissen sinnvoll unter- stützen und relevant für sie bleiben?
Wie sich Finanzakteure die Stärken von Blockchain zu eigen machen kön- nen, erprobt auch die Fiducia & GAD
derzeit in verschiedenen Prototypen. Im Grundsatz fokussieren die Erpro- bungen darauf, digitale Dienstleistun- gen in einem vertrauenswürdigen, si- cheren und transparenten Ökosystem zur Verfügung zu stellen – technolo- gisch und organisatorisch. Einen ho- hen Anteil an der Entwicklung solcher Modelle stellen nach wie vor gesetz- geberische, regulatorische Fragestel- lungen bezüglich Datenschutz oder Bankgeheimnis dar. Denn die Transpa- renz der Blockchain bedeutet auch eine höhere Sichtbarkeit von Informa- tionen jeglicher Art. Wie bei vielen an- deren digitalen Innovationen gilt es also auch hier, nicht nur technologi- sche und regulatorische Herausforde- rungen zu lösen, sondern die höchste aller Hürden zu nehmen: die über Jahrzehnte gewohnte Komfortzone zu verlassen und sich auf völlig neue Art und Weise zu ö nen. Aber gerade die Blockchain kann der Impuls sein, die Chancen dieser Veränderungen zu er- greifen.
www.fiduciagad.de
Quelle: blockchain.info






































































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