Page 19 - TREND REPORT April 2018
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TREND REPORT
„Wir sprechen heute von Work- Life-Integratio“n.
beit tendenziell zugenommen hat. Spe- ziell die Generation Y hat hohe An- sprüche an ihre Arbeitgeber. Arbeit soll nicht nur Spaß machen, sondern ei- nem höheren Zweck dienen.
Sowohl bei Kunden, als auch bei Mit- arbeitern werden die soziale und die ökologische Nachhaltigkeit von Pro- dukten und Services zu einem wesent- lichen Auswahlkriterium. Unterneh- menskultur und individuelle Entwick- lungsmöglichkeiten sind ebenfalls wichtige Entscheidungskriterien. Es- senziell ist darüber hinaus die Erkennt- nis, dass man heute eigentlich nicht
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mehr von Work-Life-Balance, sondern viel mehr von Work-Life-Integration spricht.“
Florian Löhle erklärte dies so: „Das heißt, dass das Konzept von ‚nine to  ve‘ ein wenig überholt ist und die Grenzen zwischen Beru ichem und Privatem immer mehr verschwimmen. ‚Workshifting‘ beschreibt ein Modell, das darauf basiert, Arbeit unabhängi- ger von Ort und Zeit zu gestalten. Was die Führung von Mitarbeitern und die Kommunikation innerhalb und außer- halb der Organisation betri t, bringt das Modell Veränderungen mit sich.“
Arbeit ist kein Ort mehr
Ermöglicht wird der Wandel unter an- derem durch die rasante technologi- sche Entwicklung durch die Cloud. Der persönliche Arbeitsplatz lässt sich bereits bis ins Detail in Cloudumge- bungen abbilden und über das Internet und den Browser zugänglich machen. Damit löst sich die persönliche Ar- beitsumgebung aus der angestammten Büroumgebung und wird orts-, zeit-
Nutzen Sie selbst schon agile Methoden?
Führungskräfte
38 % ja
4%
immer, fast täglich
11%
oft, einmal pro Woche
11% manchmal
  Mitarbeiter 62 % 10 %
nein ja
3%
oft, einmal pro Woche 70% 3 %
nie manchmal
2 % selten
 
90 % nein
1 % immer, fast täglich
90 % nie
4% selten
Das „Haufe Agilitätsbarometer 2017“ befragte 1800 Mitarbeiter und 1000 Führungskräfte zum Einsatz agiler Methoden.
und geräteunabhängig. Egal, wo wir uns be nden, welches Gerät wir nut- zen und wann wir arbeiten möchten – über die Cloud besteht jederzeit Zu- gang zur persönlichen Arbeitsumge- bung, bestehend aus Identitäten, Apps,
Dokumenten, und Services. Arbeit ist damit kein bestimmter Ort mehr, zu dem man täglich geht, sondern wird zu einem Zustand, der jederzeit bewusst
Software-Roboter im Einsatz
Die TREND-REPORT-Redaktion im Ge- spräch mit Hans Martens, Gründer von Another Monday über „Robotic Process Automation“ (RPA).
Herr Martens, was verstehen Sie un- ter „Robotic Process Automation“ (RPA) und was ist es bzw. was ist es nicht? Ganz allgemein versteht man unter RPA eine Technologie für die vollauto- matische Bearbeitung von regelba- sierten Geschäftsprozessen durch Soft- ware-Roboter im Backo ce, die zuvor manuell über Tastatur und Maus aus- geführt wurden. Für diese Technologie eignen sich besonders Geschäftspro- zesse, die ein hohes Bearbeitungsvolu- men und eine hohe Wiederholungs- frequenz aufweisen. RPA ist allerdings nicht mit einer einfachen Inhouse-Lö- sung gleichzusetzen, denn es beinhal- tet eine deutlich komplexere Techno- logie und Methodik. Entscheidend für einen nachhaltigen Implementierungs- erfolg ist vor allem eine detaillierte Prozessanalyse. Denn nur, wenn alle geeigneten Prozessschritte identi -
ziert, verstanden, dokumentiert und mit all ihren Varianten beschrieben worden sind, können auch die Software-Robo- ter zu 100 Prozent fehlerfrei arbeiten.
Welche Vorteile ergeben sich durch RPA für Unternehmen und ihre Mitar- beiter im Arbeitsalltag? Unternehmen pro tieren dank RPA von Kosteneinsparungen von bis zu 75 Prozent und Automatisierungsraten zwischen 80 und 99 Prozent. Dabei steht jedoch nicht nur eine unmittel- bare E zienzsteigerung im Vorder- grund. Während Software-Roboter die repetitiven Aufgaben komplett fehler- frei im Hintergrund erledigen, haben Mitarbeiter mehr Zeit für wertschöp- fende Aufgaben. So kommen sie über- wiegend dort zum Einsatz, wo sie den größten Mehrwert haben und Robotern deutlich überlegen sind. Das betri t vorwiegend Aufgaben, die Kreativität, Beratungserfahrung oder Empathie erfordern. Diese intelligente Arbeits- aufteilung zwischen Mensch und Ma- schine gibt Mitarbeitern Freiräume für
kreative Tätigkeiten, was sich auch po- sitiv auch auf die Arbeitsmotivation auswirkt.
Wie gehen Sie bei der konkreten Im- plementierung vor?
Jedes unserer RPA-Projekte startet mit einem Proof of Concept. Dieser Vor- gang ist elementar, weil sich nicht je- der Prozess für eine Automatisierung eignet. Wichtig ist auch die strategi- sche Aufhängung des Projekts. Hierzu zählt beispielsweise die Gewinnung von Projektbefürwortern mit entspre- chendem Know-how. Das Schlüssel- element unserer Projekte bildet jedoch eine elaborierte Methodik, die aus fünf Phasen besteht. Zunächst  ndet eine detaillierte Identi kation der geeigne- ten Prozesse statt, an die eine umfas- sende Prozessanalyse anschließt. Hierauf basierend entwickeln wir individuelle Software-Roboter, die nach einer Test- phase und fortlaufender Optimierung ihre Arbeit im Betrieb aufnehmen. Ne- ben der richtigen Methodik spielt für einen nachhaltigen RPA-Erfolg die Mit-
Hans Martens, Gründer von Ano- ther Monday, zeigt auf, wie Un- ternehmen sinnvoll bei der Implementierung von RPA vorgehen.
arbeiterkommunikation eine ent- scheidende Rolle. Denn nur, wenn alle Mitarbeiter für die Vorteile der Prozess- automatisierung sensibilisiert sind und das Projekt unterstützen, können die Software-Roboter ihre Stärken bestmöglich ausspielen und die Mitar- beiter bei ihrer Arbeit entlasten.
www.anothermonday.com

























































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