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22 Smart Energy | November 2017
TREND REPORT
rial Smart Grid übernimmt hier die Aufgabe, Bezugs- und Verbrauchsgrup- pen auszubalancieren und eine rei- bungslose und kostenoptimale Produk- tion zu gewährleisten
„Die sauberste und günstigste Energie ist die, die gar nicht erst er- zeugt werden muss“, formuliert das Bundesministerium für Wirtschaft und Energie die Kernaussagen von „E ci- ency First“, dem im letzten Dezember formulierten Grundsatz der Energie- wende. So wird das Eigenheim bei- spielsweise erst dann richtig nachhaltig, wenn es neben einer Erneuerbare- Energien-Anlage auch eine gute Wär- medämmung besitzt, wodurch der Heizenergiebedarf in Gänze sinkt. Der Grundsatz bezieht sich dabei nicht nur auf Gebäude, vielmehr sollen die beste- henden E zienzpotenziale in allen Be- reichen besser ausgeschöpft werden – so auch in der Industrie.
In Form von Wärme verlässt sie hier in der Luft oder im Abwasser in rauen Mengen die Industrieanlagen, unge- nutzt und somit ine zient. Anzeichen für ein Umdenken sind zum Glück er- kennbar. Industrie und Kommunen beispielsweise arbeiten immer häu ger zusammen, um die Abwärme zum Heizen von Wohnhäusern zu nutzen. Durch das Abwasser kann oft Biogas gewonnen werden und als Brennsto  wieder in die Produktion mit ein ie- ßen. „Oft wird vergessen“, ergänzt Ul- rich Boehm von der EnviroChemie GmbH, „dass nicht nur im Abwasser, sondern auch in weiteren wassertech- nischen Anlagen die E zienz gestei- gert werden kann.“ Allein durch geziel- te Reinigung und richtige Fahrweise könne so der zusätzliche Energiebedarf von Kühltürmen um 30 Prozent gesenkt werden. Mit der eigenen F&E-Abtei- lung sind die Experten in Wasseraufbe- reitung und Abwasserbehandlung in vielen innovativen Forschungsprojek- ten eingebunden. So hat man bereits im Jahr 2006 ein Projekt im Bereich Digitalisierung durchgeführt, und war damit der Zeit voraus. „Von diesem jahrelang aufgebauten Know-how pro-  tieren heute unsere Kunden“, unter- streicht Boehm.
Eine Möglichkeit, ungeahnte
E zienzpotenziale aufzudecken, be- steht in Energieaudits, die für Nicht- KMUs alle vier Jahre verp ichtend
„
Die sauberste und günstigste Energie ist die, die gar nicht erst erzeugt werden muss. “
sind. Dabei sollten Unternehmen diese Maßnahme nicht als Belastung emp-  nden. „Der Euro, der zur Einsparung von Energie oder Ressourcen ausgege- ben wird, muss sich nach einer de - nierten Zeit wieder rentieren, und das leisten unsere Projekte auch“, berichtet Olaf Kipp, Geschäftsführer der Ökotec Energiemanagement GmbH. Der erste Schritt, die Transparenz über den Ener- gie- oder Ressourcenverbrauch zu er- langen, ist in den Unternehmen vollzo- gen. Allerdings kann die reine Darstel- lung des Verbrauchs irreführend sein, beispielsweise dann, wenn dieser einer geringeren Auslastung geschuldet ist. Daher geht die Veolia-Tochter mit EnE Co einen Schritt weiter und er- setzt das klassische Energie-Verbrauchs-
Controlling durch ein innovatives Energie-E zienz-Controlling. Aus Zeit- gründen werden so identi zierte Um- setzungsmaßnahmen jedoch häu g nicht angegangen. „Hier haben Industriekun- den die Möglichkeit, sich das notwendige Know-how für die Umsetzung extern zu besorgen“, emp ehlt Kipp, „denn es geht neben der Nachhaltigkeit vor al- lem um bares Geld, das sonst Monat für Monat liegen gelassen wird.“
Eine weiter tragende Rolle hin- sichtlich der Emissionsoptimierung spielt der Verkehr. Die viel propagierte Elektromobilität kommt zwar schon seit Jahren aus den Mündern der Ver- antwortlichen, landet jedoch nicht auf unseren Straßen. Dabei ächzen vor al-
Neue Energie durch Abwasser
DieTREND-REPORT-Redaktionsprach mit Ulrich Boehm, Projektleiter Be- triebsführung bei EnviroChemie, über das energetische Einsparpotenzial beim Umgang mit Industrieabwasser.
Als Grundnahrungsmittel gilt die Kar- toffel als wichtiger Treibstoff des menschlichen Körpers, für ihre indus- trielle Verarbeitung wird allerdings selbst viel Energie – insbesondere Wasser – benötigt. Doch es gibt Ein- sparmöglichkeiten, wie Ulrich Boehm von EnviroChemie berichtet: „Viele Unternehmen vernachlässigen die Po- tenziale, welche in der Abwasserbe- handlung stecken. Sei es durch die Nutzung von Abwärme oder durch eine Umstellung auf eine energiee zien- tere Verfahrenstechnik.“ Eine solche Umstellung hat nicht nur Auswirkun- gen auf den Energiebedarf, sondern spart auch Kosten im Bereich Schlamm-
entsorgung oder Chemikalienver- brauch. Auch in anderen Branchen können durch den Einsatz intelligen- ter Verfahrenstechnik große Einspa- rungen erzielt werden. „So gewinnen wir beispielsweise bei Villeroy & Boch Wertsto e aus dem Abwasser zurück“, erklärt Boehm. „Diese mehrere Hun- dert Tonnen Glasur können wieder in der Produktion eingesetzt werden.“
Die größten Einsparungen lassen sich jedoch nur durch einen permanenten Fokus auf die Abwasseranlage und ei- nen implementierten kontinuierlichen Verbesserungsprozess erzielen. Hier- zu benötigten Unternehmen eigent- lich eine eigene spezialisierte wasser- technische Abteilung, die nicht nur Kompetenzen in den Bereichen Ver- fahrenstechnik, Chemie und Elektro- technik, sondern auch detailliertes Wissen in genehmigungsrechtlichen
Fragestellungen besitzt. Aufgrund der Komplexität greifen dabei immer mehr Firmen auf externe Dienstleister wie EnviroChemie zurück, die hierzu ein Betriebsführungskonzept ausar- beiten. Dabei wird die komplette Was- serinfrastruktur betrachtet. Von der notwendigen Qualität des Frischwas- sers und dessen Einspeisung bis hin zum Abwasseranfall. „Hieraus kann dann ein schlüssiges Konzept entwi- ckelt werden, welches ggf. Wasser- recycling beinhaltet, Kosten senkt so- wie den Waterfootprint verbessert“, so Boehm. „Des Weiteren darf in solchen Konzepten nicht die behördliche Ge- nehmigung vernachlässigt werden.“ Nutzen zieht der Kunde dabei auch aus zahlreichen Projekten der F&E-Ab- teilung. So implementiert man bereits seit Jahren Messsysteme und intelli- gente Steuerungen, welche auf die Zusammensetzung in Abwasserschwan- kungen reagieren und das Wasser dementsprechend behandeln. Bei der Betriebsübernahme der Abwasseran- lage eines karto elverarbeitenden Unternehmens konnte auch dadurch der Strombedarf bereits im ersten Jahr um 50 Prozent und im folgenden Jahr – durch den kontinuierlichen Ver- besserungsprozess – sogar um weite- re 20 Prozent gesenkt werden. „Bei den genannten Einsparungen“, fügt Boehm an, „wurde das erzeugte Bio- gas noch nicht einmal berücksichtigt.“
„Viele Unternehmen ver- nachlässigen die Poten- ziale, die in der Ab- wasserbehandlungs- anlage stecken“, so Ulrich Boehm.
www.envirochemie.com
Bildmotiv Copyright: EnviroChemie GmbH














































































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