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TREND REPORT
Juni 2017 | Nachhaltige Geldanlagen 29
N achhaltige Geldan- lagen erfreuen sich zunehmender Be- liebtheit in den deutschsprachigen Ländern, allen voran in Deutschland. Laut LGT Private Banking Report ga- ben 39 Prozent der befragten Deut- schen, 25 Prozent der Österreicher und 22 Prozent der Schweizer an, dass öko- logische Kriterien in der Vergangenheit „sehr konkret“ eine Rolle bei der Anla- geentscheidung gespielt hätten. Und dieser Trend setzt sich fort. Nach An- gaben des Forums Nachhaltige Geld- anlagen (FNG) ist der Markt in den drei deutschsprachigen Ländern auch 2016 überproportional gewachsen und verzeichnete ein Plus von 29 Prozent. Die Summe aller Investitionen, bei de- nen zusätzlich zu den  nanziellen auch ökologische und soziale Aspekte be- rücksichtigt werden, betrug im vergan- genen Jahr rund 420 Milliarden Euro – zum Vergleich: Der Bundeshaushalt sieht für 2017 Ausgaben in einer Höhe von knapp 330 Milliarden Euro vor. Auch die Bertelsmann-Stiftung kommt in einer aktuellen Studie zu dem Er- gebnis, dass „die Nachfrage nach sozia- ler Wirkung bei der Geldanlage steigt“. Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung, formuliert es so: „Klassischerweise werden bei Vermö- gensanlagen die beiden Faktoren Risi- ko und Rendite betrachtet. Immer mehr Anleger möchten auch die Frage beantwortet haben: Was genau bewirkt
mein Geld?“
von Dr. Ralf Magagnoli, r.magagnoli@trendreport.de
Millennials und Frauen vorne
Wer sind die treibenden Kräfte bei den nachhaltigen Geldanlagen? Für Anto- nia Strachwitz, Kommunikationsver- antwortliche bei LGT Impact Ven- tures, ist es vor allem die Millennial- Generation, also die Gruppe der heute 20- bis 34-Jährigen, die einerseits ei- nen nachhaltigen Lebensstil p egt, an- dererseits an nachhaltigen Investitio- nen interessiert ist. Diese Ansicht wird durch Untersuchungen von Morgan Stanley aus dem Jahr 2014 gestützt, bei denen 800 Investoren, darunter 200 Millennials, nach ihren Investitions- entscheidungen befragt wurden. Letz- tere wären weitaus eher geneigt, bei der Job- oder Produktauswahl Nachhaltig- keitskriterien zu berücksichtigen, so die Untersuchung. Und 84 Prozent der befragten Millennials gaben an, an nachhaltigen Investitionen interessiert zu sein. „Wirklich bedeutsam ist, dass sie auch mit doppelter Wahrscheinlich- keit in Aktien oder Fonds investieren, bei denen Nachhaltigkeit eine Rolle spielt“, sagt Audrey Choi, Sprecherin von Morgan Stanley. Zu den treiben- den Kräften gehören überproportional Frauen. Hier zeigten 76 Prozent der befragten Frauen Interesse an nachhal- tigem Investment, hingegen nur 62 Prozent der Männer. Bei der Frage, ob zusätzlich zur Rendite auch die Folgen der Investition zu berücksichtigen sei- en, lag die Zustimmungsrate unter den Frauen mit 40 Prozent fast doppelt so
Nachhaltig investieren
Nachhaltige Geldanlagen haben ein gutes Image und versprechen Rentabilität
Green Mining
Minenbetreiber haben ein schlech- tes Image. Dabei achten viele Mi- nengesellschaften auf Nachhaltig- keit und Umweltschutz, wie Tobias Tretter, Geschäftsführer der Com- modity Capital AG, betont.
Insbesondere kanadische und aus- tralische börsengelistete Unternehmen unterliegen sehr strengen Regularien und es gibt keine Abbaugenehmi- gungen ohne vorherige gründliche Überprüfung der ökologischen Ver- träglichkeit. Wer heute eine Abbau- genehmigung erhalten will, muss zu- meist darlegen, wie er die Altlasten des Projekts umweltfreundlich ent- sorgen und die durch den Abbau ver-
Tobias Tretter: „Die Minenindustrie ist grundsätzlich viel ‚grüner’, als die meisten Anleger denken.“
änderte Natur in ihren ursprünglichen Zustand zurückversetzen will. Laut Tobi- as Tretter gibt es allerdings immer noch einige „schwarze Schafe“, allen voran in afrikanischen oder einigen südamerika- nischen Ländern, in denen es kaum Um- weltau agen, dafür aber viele „illegale kleine private Minen“ gibt:„Hier müssen Sie als Investor persönlich vor Ort inspi- zieren, um zu garantieren, dass alles sauber und mit rechten Dingen abläuft.“
Nachhaltiges Mining vermag viel Gutes in der jeweiligen Region zu bewirken – von neuen Arbeitsplätzen über die An- bindung abgelegener Dörfer an die Was- serversorgung bis hin zu besseren Bil- dungsmöglichkeiten und einer verbes- serten medizinischen Versorgung. Ent- scheidendes Kriterium für Investoren
sind dabei sogenannte Miningtrips: Neben der Infrastruktur, dem Zugang zum Erzkörper und dem Ingangsetzen der Produktion macht sich dabei ein Management-Team vor Ort eben auch ein Bild von Faktoren wie der Akzep- tanz der Minengesellschaft in der Be- völkerung oder dem Verhalten gegen- über den Mitarbeitern. Eine nachhal- tige Investition sei nicht weniger luk- rativ, sondern langfristig lukrativer als andere Formen des Minings, ist Tobias Tretter überzeugt. „Die Kosten für die Minenunternehmen sind im Gesamt- kontext minimal, die Auswirkungen jedoch gewaltig: Win-win-Situationen für alle, die Bevölkerung, die Minen- unternehmen und uns Investoren.“
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Bildmotiv Copyright: Commodity Capital GmbH; Pixabay CC0

















































































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