Page 27 - TREND REPORT Juni 2017
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TREND REPORT
Juni 2017 | Digital Finance 27
Dass die oben erwähnten 70 Pro- zent so erstaunlich wirken, ist darin ge- gründet, dass viele FinTechs ihre Pro- dukte als White-Label-Lösung anbie- ten. Dabei handelt es sich um ein Produkt oder einen Service eines An- bieters, der in eine Partner-Website eingebunden wird. Layout und Struk- tur werden so angepasst, dass der ur- sprüngliche Dienstanbieter nicht mehr sofort ersichtlich ist.
Giromatch beispielsweise überträgt die- ses Konzept erfolgreich auf die Kredit- vergabe. „Wir liefern die Technologie und übernehmen die digitale Abwick- lung der Endkunden“, erläutert der CEO des FinTechs Robin Buschmann. Strategische Partner können sich so Kostenvorteile importieren und ihre Pro- duktpalette erweitern. Eine kleine Bank beispielsweise, die zuvor nur auf den Anlageprozess fokussiert war, könne auf diese Weise ihr Angebot ergänzen und damit die Kundenzufriedenheit stei- gern. „Im Grunde können Sie mit uns ihre Digitalisierungsstrategie beschleu- nigen, ohne dabei ihr Kundenpotenzial zu verlieren“, fasst er zusammen.
„Initial Coin Offering“
Wieviel Zug in der FinTech-Branche steckt belegt auch eine aktuelle Deloit- te-Studie. So haben sich die Venture- Capital-Investitionen in Deutschland
Simon Oberle: „Im Kontext von PSD2 müssen Banken künftig Zah- lungsanbietern und anderen Ban- ken Zugriff auf die Kontodaten ihrer Kunden gewähren.“
in den letzten vier Jahren mehr als ver- zwöl acht. Gerade FinTechs suchen dabei ihre Finanzierungs-Partner ver- mehrt bei ihrem eigenen Kind, der Crowd. Neben FinTechs unterstützt die Investorengemeinschaft auch sozia- le Projekte, Computerspiele, Kino lme, und Privatkredite. Als Gegenleistung erhalten Investoren neben Unterneh- mensanteilen und einer versprochenen Rendite oft auch eher symbolische Werte, wie einen Zugang als Betatester oder Premierenkarten. Bei der Investi- tion in soziale Projekte kann es manch- mal auch nur ein nettes Dankeschön sein, sofern man nicht an das spirituel- le Modell einer Karmabank glaubt.
Weitgehend unbekannt bei
der Unternehmens nanzierung ist noch der Begri  des „Initial Coin O erings“ (ICO), obwohl vor kurzem ein Unter- nehmen damit in nur drei Stunden um- gerechnet die Rekordsumme von 153 Millionen US-Dollar erworben hat. Bei ICOs erwerben Anleger mittels einer virtuellen Kryptowährung sogenannte Tokens, die beispielsweise zur Teilhabe an einem Unternehmen berechtigen. Im geschilderten Beispiel unterstützten mehr als 10 000 Anleger das Unterneh- men Bancor mit insgesamt 396720 Ether, die zum Emissionszeitpunkt je- weils 385 US-Dollar wert waren. Ban- cor selbst möchte mit sogenannten Smart Tokens eine neue Generation der Kryptowährungen etablieren. Mit einem eigens entwickelten Protokoll soll die Volatilität geringer sein und es sollen neue Anwendungsmöglichkei- ten entstehen, etwa die Etablierung ei- nes auf der Blockchain basierenden ETFs. Dies könnte vor allem für jene Anleger interessant sein, die aufgrund des Risikofaktors noch vor einer Inves- tition in Bitcoin zurückschreckten.
Zahlung per Auto
Obwohl der Bitcoin einst antrat, unser Verständnis von Geld zu revolutionie- ren und die Banken durch ein neues Währungssystem zu unterwandern, sind es nun ausgerechnet die Geldins- titute, die sich die zugrunde liegende Blockchain-Technologie zunutze ma- chen. Im Bereich Mikropayments etwa möchte eine Kooperation von ZF, UBS und Innogy das Auto der Zukunft zur digitalen Geldbörse machen. So sollen Elektrofahrzeuge durch die Möglich- keiten der Induktion beim Halt an ei-
Buchtipp
„Revolution im Zahlungsverkehr“
Mit der Digitalisierung
von Geschä sprozessen
erhält das bargeldlose
Bezahlen einen enor-
men Schub. Banken,
Kartenanbieter, Telekom- munikationsunterneh-
men, FinTechs und In- ternetunternehmen
positionieren sich neu.
Disruptive Veränderun-
gen wie PSD2, Instant
Payments, Blockchain-
Technologie etc. werden
sich nicht nur auf die Finanzbranche, sondern auch auf den Handel und das tägliche Kundenverhalten auswirken.
Im ersten Fachbuch, das auf die verschiedenen Aspekte der Digital Pay- ments fokussiert, werden die aktuellen Entwick- lungen sowie zukün ige Anwendungsfelder vorge- stellt. Anforderungen und Potenziale, die sich aus einer intelligenten Daten- nutzung im Zahlungsver- kehr ergeben, werden diskutiert.
ISBN978-3-95647-073-8;MarcusW.Mosen/ JürgenMoormann/DietmarSchmidt(Hg.) www.trendreport.de/buchtipps
Die innovative Privatbank
Wie beein usst das veränderte Kundenverhalten das Banking von morgen?
Jochen Werne, Direktor Marketing und Business Development der Münche- ner Privatbank Bankhaus August Lenz, erläutert im Interview, wie Mensch, Digitales und Kultur in Einklang ge- bracht werden müssen, um zukünf- tig ein relevanter Spieler zu bleiben.
Symbiose aus Mensch und Technik
„Menschen integrieren bereits heu- te alle Möglichkeiten digitaler Tools im Alltag – das gilt auch für den Fi- nanzbereich. FinTechs bedienen diese Nachfrage mit unglaublicher Schnel- ligkeit und innovativen Produkten“, so Werne. Einst margenträchtige Ge- schäftsmodelle werden obsolet, neue Wettbewerber drängen auf den Markt – Kooperationen zwischen Banken und FinTechs entstehen.
Der Family-Banker als Wegweiser im Informations-Dschungel
Im digitalen Umfeld müssen Banken als Vertrauensinstanz bei komplexen Finanzfragen agieren und Kunden ei- nen echten Mehrwert bieten. „Das gelingt nur mit einem Mix aus digita- len Tools und persönlicher Beratung“, so Werne. „Daher bieten wir mit dem
Family-BankereinenpersönlichenBe- rater, der orts- und zeitunabhängig agiert. Zudem kooperieren wir mit FinTechs wie Cringle oder FinReach, um Kunden innovative Banking-Tools
Jochen Werne setzt auf die Ko- operation mit FinTechs, um innovative Tools anzubieten.
zu bieten.“ Das Bankhaus August Lenz scha te so den Sprung vom analogen Traditionshaus zum Innova- tionstreiber der Branche. Der erfolg- reiche Spagat zwischen persönlichs- ter Beratung und digitalen Services sei der Schlüssel zur modernen Ban- kenkultur und bildet mit zielgruppen- spezi schen Produkten die Basis für er- folgreiches Banking der Zukunft.
www.banklenz.de
Bildmotiv Copyright: Sopra Steria Consulting, Bankhaus August Lenz, Frankfurt School GmbH


























































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